„Schatzi, hier riechts nach Ziege…“

 

… für sich genommen, ist der Ausruf recht banal, allerdings verbirgt sich dahinter für uns mittlerweile ein Running-Gag, über den wir auch vier Jahre danach immer herzlich lachen können. Warum, das erfahrt ihr gleich, kommt nochmal mit uns nach Capri

Das Kreuz mit den Ohren

Damit die Situation verständlich ist, muss ich an dieser Stelle zunächst etwas ausholen. Wer mich kennt, weiß, dass mein zweiter Vorname „taubes Huhn“ ist. Also, ich bin nicht wirklich taub, lediglich meine Ohren tun es nicht sooo gut, wie Otto-Normal-Mensch das voraussetzt. Family & Co sind da diverse seltsame Situationen bekannt – insbesondere, wenn ich auf eine Frage nach dem Wetter mit der Uhrzeit antworte.

Auch beliebt: man ist unterwegs und Dritte quasseln drauf los.. verteh ich dann das Gesagte nicht wirklich, wandert der Blick automatisch zum besten aller Männer oder meiner jeweiligen Begleitung. Solange ich jemand direkt ins Gesicht seh, alles fein – kommt was (unerwartet) von hinten oder der Seite, kanns eng werden. Ich höre dann sehr wohl, dass man mit mir spricht – versteh aber nicht unbedingt alles. wilde Ziegen

Man könnte sagen, meine mich umgebenden Menschen mutieren in meiner Gegenwart im Laufe der Jahre zu Papageien, die einen Satz zwei, drei oder wenns sein muss auch fünf Mal wiederholen. OK, der Grad der Genervtheit steigt auch bei diesen überproportional mit jeder Wiederholung, aber wie war das mit der Weisheit, Dinge anzunehmen, die man nicht ändern kann? 😀

 

Capri – unser zweites Date mit der Insel

 

Nachdem wir im Sommer 2012 ungeplant und wie die Jungfrau zum Kind zu einem Tagesaufenthalt auf Capri gekommen waren stand fest: DA müssen wir wieder hin. Und das länger als einen Tag! Kaum aus dem Sommerurlaub zurück, liefen zu Hause die Reiseportale schon heiß und wir buchten eine Woche Capri im Oktober des gleichen Jahres.

Capri im Oktober ist nur zu empfehlen. Die Temperaturen (Luft und Wasser) sind meist noch fast sommerlich, man kann noch im Meer baden und luftige Sommerkleidung ist zumindest tagsüber noch gut tragbar. Die Preise liegen dann auf einem bezahlbaren Niveau – während man in der Hauptsaison für ein bürgerliches kleines Hotel im 2-Sterne Bereich gerne mal 1600 EUR und mehr pro Woche und Person (!) hinblättern „darf“.

Capri - türkisblaues Meer

Wir entdeckten Capri im Oktober also ohne Zeitdruck noch mal ganz neu – und waren und blieben noch genauso in die Insel verliebt, wie bei unserem sommerlichen Date. Das Wetter passte, wenn es mal schauerte, dann meist gaaanz früh morgens und nach einer Stunde war die Luft wieder klar, die Sonne lachte und es wurde warm.

 wilde Ziegen

 

Kaiser Tiberius, sein Palast, Annik und wilde Ziegen

 

Ziegen? Ja, Ziegen. Nicht nur der Name „Capri“ stammt von diesen possierlichen Tierchen (lat: capraeae), sondern weit ab vom Trubel leben auf der Insel noch wilde Ziegen. Zwar nicht mehr soo viele, aber es gibt sie noch. Wusste ich. Dass der beste aller Männer es nicht wusste, wusste ich hingegen nicht.

An einem trüben Morgen machten wir uns auf den Weg zur Villa Jovis. Als eingefleischte Rom-Fans mussten wir uns ja auch mal anschauen, von wo aus Kaiser Tiberius zeitweise das römische Reich regierte. Also ging es auf zur Villa Jovis.. Capri Ziegen Villa Jovis

Je höher wir gingen, umso weniger bebaut war der Weg und umso ruhiger wurde es. Als einige Meter vor uns plötzlich ein größerer Schatten den Weg kreuzte fragte der beste aller Männer: „Was war das denn gerade???“ Ich war mir erst nicht sicher, der strenge Geruch, der dann jedoch in der Luft lag, ließ eindeutig auf eine Ziege schließen – siehe da, ich lag richtig:

Capri Ziegen Villa Jovis

 

 

Kurz vor dem Eingang zur Villa Jovis befindet sich ein kleiner „Park“, welcher teilweise spektakuläre Aussichten in die Tiefe offenbart. An diesem Morgen hingen dicke Wolken über den Abhängen und zusätzlicher Nebel verwandelten das Waldstück in die perfekte Kulisse für einen Mystery-Thriller. Plötzlich war mir auch klar, woher Dieffenbach die Inspiration für seine äußerst düsteren Bilder hatte, die heute im ehemaligen Karthäuserkloster in Capri ausgestellt werden 🙂 Mit anderen Worten: geniale Stimmung da oben an diesem Tag!

wilde Ziegen

Capri Ziegen Villa Jovis

Eine Bank, ein Fotoapparat, eine „suboptimal Hörende“ und wilde Ziegen = Situationskomik aus dem Lehrbuch

Wir haben noch Zeit, bis die Villa Jovis ihre Pforten öffnet, also pflanze ich mich genüsslich auf die Bank am Aussichtsplateau und schaue mal genauer, was meine Kamera so an Einstellungen drauf hat. Völlig klar, dass ich mich dabei komplett genau darauf konzentriere, während der beste aller Männer vor mir herumschlendert.

Plötzlich steigt mir ein schon zuvor auf dem Weg hierher begegneter, ziemlich strenger, nein, ein sehr strenger Geruch in die Nase: eindeutig Ziege! Dem Geruch nach eine Ziege vom Ausmaß eines asiatischen Elefanten. DAS muss ich sofort dem besten aller Männer kundtun – mit Gerüchen hat er es ja nicht so. So kommts, dass ich völlig begeistert rufe: „Schatzi, hier riechts nach Ziege!“.. Ich bin ganz aufgeregt, ich meine, hey, wo gibt’s denn noch freilebende, wilde Ziegen?

Der beste aller Männer schaut mich an, als hätte er einen Geist gesehen. Mein Gott, was hat er denn nur? Ziegen sind doch harmlos, da muss man doch nicht so entgeistert schauen? Leicht verärgert frage ich „was schaust Du mich jetzt so an?“

Jetzt ist es ganz vorbei.. Der beste aller Männer ist komplett aus der Fassung – und ich versteh die Welt nicht mehr. Da steht er vor mir, fuchtelt mit den Armen und steht kurz vorm Zusammenbruch. Hm, vielleicht sollte ich mich umdrehen? Gedacht, getan…

Hinter mir, keine drei Meter weg, marschieren vier wilde Ziegen im Gänsemarsch in aller Seelenruhe gemütlich vorbei.. Siegessicher sage ich „Ha, siehste mal, hab ichs doch gerochen – hier roch es ganz streng nach Ziege“.

wilde Ziegen

Jetzt bricht der beste aller Männer zusammen – vor Lachen… Der Ärmste hatte nämlich, bevor ich triumphierende verkündete, dass es hier nach Ziege rieche, fünf Minuten versucht, mich mit wildem Armgerudere und geflüsterten „pss, hey.. pssss, guck mal…“ und wer-weiß-was-noch versucht, mich auf die Viecher aufmerksam zu machen..

Was ich nicht gesehen habe (wie auch: fummelte ja an der Kamera rum!) und schon gleich dreimal nicht gehört habe…

 

Schatzi schwört übrigens bis heute, dass die Ziegen mit einem breiten Grinsen im Gesicht und auf Zehenspitzen hinter mir vorbeigeschlichen seien.. wer weiß? Wenn die sich auch dachten „Man, ist die Alte beschränkt…“, kann das sogar stimmen 🙂

 

Bis heute sorgt der Ausspruch „Schatzi, hier riechts nach Ziege“ für Heiterkeitsausbrüche…

 

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2 Gedanken zu „Wilde Ziegen – Begegnung der besonderen Art

    1. lol, ist doch super! Einen happy Leser hab ich also schon mal 🙂

      Ich wette fünf Euro, spätestens beim „tauben Huhn“ hatte ich dich 😀 (Du warst übrigens die erste, die mich jemals so genannt hat 😉 )

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