Illustrativer Look – was ist das eigentlich?

Illustrativer Look – wie geht das? Die recht häufig gestellte Frage, wie ich den sogenannten „illustrativen Look“ bei Fotos erreiche, beantwortet dieser Artikel. Eine Step-by-Step Anleitung wartet auf euch…

 

Häufig stolpert man über den Begriff „Illustrativer Look“ im Zusammenhang mit Bildbearbeitung bzw. -entwicklung. Ich selbst spiele mit diesem Stil manchmal auch recht gerne und ich überzeichne diesen je nach Foto auch teilweise ganz bewusst. Einige Beispiele in meiner Galerie.

Da mir schon öfter die Frage gestellt wurde „Wie machst Du das?“, möchte ich die Vorgehensweise hier einmal vorstellen. Ja, oldschool in einem Beitrag, nicht in einem Youtube-Video wie mancher Foto-/Photoshop-Guru, das sollte aber dennoch kein Problem sein.

Meine Tools:

  • Adobe Lightroom CC
  • Adobe Photoshop CC mit installierter NIK-Collection (NIK gibt es, seit kurzem kostenlos, hier zum Download)

illustrativer Look

RAW-Datei als Ausgangsbasis

1.

wir öffnen unsere RAW-Datei in Lightroom und welchseln ins „Entwickeln“-Modul, wo wir die absoluten Grundeinstellungen der RAW-Entwicklung vornehmen: Weißabgleich, Profilkorrektur, ggf Belichtung und bei Bedarf Kontrastanpassungen sowie (wenn gewünscht) Zuschnitt/Freistellung:

1-RAW-Einstellungen

 

2.

mit einem Rechtsklick auf unser Foto öffnen wir das Kontextmenü und übergeben das Bild an Photoshop:

2-Export-Photoshop

 

3.

Die Meldung von Photoshop bezüglich der Abweichungen vom Profil bestätigen wir einfach mit „OK“:

3-Profilabweichung-PS-bestätigen

4.

Ist die Datei in Photoshop geöffnet, duplizieren wir zunächst die angezeigte Hintergrundebene. Hierzu ein Rechtsklick auf die Hintergrundebene und aus dem Kontextmenü „Ebene duplizieren“ wählen:

4-PS-Ebene-duplizieren

5.

Die duplizierte Ebene sollte nun automatisch markiert sein. Ist das nicht der Fall, klicken wir „Hintergrundkopie“ einmal mit Linksklick an – die Ebene wird nun leicht hervorgehoben:

5-Ansicht-duplizierte-Ebene-PS

 

6.

Nun starten wir „Color Efex Pro“ aus der Nik-Collection:

7-Auswahl-Nik-ColorEfexPro

7.

Es öffnet sich „Color Efex Pro“, wo wir nun den Detail Extractor auswählen:

8-Detail Extractor

 

8.

Hier nehmen wir nun verschiedene Einstellungen vor. Über den Regler „Detail Extraktor“ legen wir fest, wie stark Strukturen hervorgehoben werden sollen. Kontrast und Sättigung sind selbsterklärend.

Die Stärke des Reglers „Detail-Extraktor“ ist Geschmackssache. Für unser Bild in diesem Tutorial habe ich mich für folgende Einstellung entschieden:

– Detail-Extraktor: 65 %
– Kontrast: 15
– Sättigung: 5

9-Einstellungen-DetailExtractor

Mit diesen Werten sieht unser Bild nun so aus:

10-Bild nach Einstellung CE

 

Die Einstellungen in NIK Color Efex Pro sind jetzt abgeschlossen und wir speichern mit Klick auf „OK“. Unser Fenster schließt sich und in Photoshop sehen wir nun eine weitere Ebene:

11-dritte Ebene in PS
Die neue Ebene „Detail Extractor“ ist markiert das belassen wir auch so.

 

9.

Nun gehen wir auf „Auswahl“–> „alles auswählen“:

12-Auswahl-alles-auswählen

 

10.

Jetzt reduzieren wir die getätigte Auswahl auf eine Ebene. Ich wähle dazu den Weg über das Menü, da ich mich mit den Tastenkombinationen in den meisten Fällen sehr schwer tue – und es mir zu mühsam ist, wenns schiefgeht, auf Fehlersuche zu gehen. Mein Weg ist daher folgender:

13-Auswahl-auf-eine-Ebene-reduziert-kopieren
Nun befindet sich unsere Auswahl, die wir auf eine Ebene kopiert haben, in der Zwischenablage.

 

11.

Die auf eine Ebene reduzierte Auswahl der Zwischenablage wird jetzt wieder eingefügt:

14-Auswahl einfügen

 

12.

Wie schon zuvor nach Anwendung des NIK-Filters Color Efex Pro haben wir nun eine weitere Ebene. Photoshop zeigt uns jetzt also insgesamt vier Ebenen an:

15-vierte Ebene PS
Auch hier ist die neue Ebene bereits automatisch markiert – falls nicht: siehe oben -> einfach mit Linksklick markieren

 

13.

Im nächsten Schritt wenden wir den Stilisierungsfilter „Ölfilter“ an.

ACHTUNG: Dieser Filter ist in Photoshop 2014 CC *nicht vorhanden* – und wurde in späteren Versionen von Adobe wieder zur Verfügung gestellt. Wer also PS CC 2014 noch nutzt, hat diesen Filter nicht zur Verfügung.

Ölfilter anwenden:
16-Oelfilter

 

14.

Im folgenden Dialog stellen wir die Parameter wie folgt ein:

– Stilisierung: 10
– Reinheit: 10
– Skalierung: 0,1 (ist der kleinstmögliche Wert)
– Borstendetails: 10
– Beleuchtung: Haken entfernen (falls gesetzt)

17-Einstellungen Ölfilter

Mit einem Klick auf „OK“ wenden wir den Ölfilter jetzt an. Je nach Rechnerleistung dauert es einen Moment, bis die Verarbeitung abgeschlossen ist – Geduld bitte 🙂

 

15.

Unser Foto sieht nun tatsächlich aus wie ein Ölgemälde und ist sehr stark überzeichnet. Keine Panik, das ändern wir gleich noch. Hier ein Blick auf das Zwischenergebnis:

18-angewandter Filter

 

16.

Der Ölfilter-Effekt ist für unsere Zwecke so natürlich noch viel zu stark und ein illustrativer Look ist das noch nicht ;). Also reduzieren wir die Filterstärke in diesem Dialog:

Deckkraft des Filters einstellen

 

17.

Jetzt passen wir den Mischmodus noch an (Standard ist „Normal“). Wir wählen hier „Multiplizieren“:

21-Mischmodus Filter einstellten

Nun hat sich unser Bild schon entscheidend verändert und sieht jetzt so aus:

22-Ergebnis nach Filter und Mischmodus

 

18.

Jetzt wiederholen wir die Schritte 9, 10 und 11 -> „Auswahl“ – „alles auswählen“ -> „Bearbeiten“ – „auf eine Ebene reduziert kopieren“ -> „Bearbeiten“ – „einfügen“.

Ergebnis: Wir erhalten wiederum eine neue Ebene, wie ein Blick in die Ebenen-Übersicht zeigt:

23-fünfte Ebene
Wir sind kurz vor der Zielgeraden, jetzt nicht schlapp machen, gleich ist es geschafft 🙂

19.

Was unserem Bild nun noch fehlt, ist Schärfe. Die fügen wir mittels Hochpassfilter hinzu:

24-Hochpassfilter

 

20.

Im Filterdialog für den Hochpassfilter steuern wir nun über den Regler „Radius“ wie stark Kanten hervorgehoben werden. Im Vorschaubild sollte, keine oder nur sehr geringe farbige Struktur zu sehen sein. Hier muss man, je nach Bild, ein wenig mit dem Regler „spielen“. Für unser Foto wähle ich einen Radius von 6,6 px.

25-Einstellungen Hochpass

Mit einem Klick auf „OK“ wenden wir auch diese Einstellung an. Huch, was ist das? Unser Bild sieht jetzt (erstmal) SO aus:

illustrativer

Keine Panik auf der Titanic, das ändern wir jetzt gleich, indem wir wieder mit dem Mischmodus arbeiten.

21.

Die Ebene muss, wie immer, markiert sein, dann wenden wir den Mischmodus „hartes Licht“ an.

Mischmodus lineares Licht

Für unseren Zweck hier finde ich diesen Modus ideal. Selbstverständlich könnt ihr auch mit verschiedenen Lichtmodi experimentieren – alles kann, nichts muss und Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

 

22.

Unser Foto ist nun in Photoshop fertig bearbeitet und sieht so aus:

illustrativer Look

 

Weitere Feinjustierungen nehmen wir nun abschließend in Lightroom vor. Wir übergeben das Foto direkt an Lightroom, indem wir einfach auf „Datei“ -> „speichern“ klicken:

29-Bild an Lightroom übergeben

Auch hier gilt wieder: je nach Rechnerleistung dauert der Vorgang einen Moment – also im Zweifel etwas Geduld (davon kann ich ein Lied singen 😉 )

 

23.

In Lightroom erscheint unser bearbeitetes Foto nun als Kopie im „Entwickeln“-Modul:

30-nach Übergabe in LR

24.

Hier nehme ich noch einige Feinkorrekturen vor:

– leichte Kontrastverstärkung (+20)
– leichte Anhebung von Dynamik (+10) und Klarheit (+15)
– hinzufügen einer Vignette:

Vignette Lightroom

25.

Finale, oho, Finale.. ohoho.. Wir sind fertig – unsere RAW-Datei hat eine ziemliche Wandlung erfahren:
(vorher / nachher)

illustrativer Look    illustrativer Look

 

In der Praxis dauert die hier gezeigte, komplette Bearbeitung eines Fotos nur wenige Minuten – ich benötige zwischen zehn und fünfzehn Minuten pro Bild.

 

Einige Gedanken zum Schluß zum Stil „illustrativer Look“

Diese Art der Bildbearbeitung eignet sich, meiner Meinung nach, nicht für alle Fotos und Motive. Mir persönlich gefällt der Look am besten bei detailreichen und farbenfrohen Ausgangsmotiven, wie den in meiner Galerie gezeigten.

Man hat wahnsinnig viele Möglichkeiten, hier zu spielen und mit ganz wenigen Veränderungen in der Bearbeitung völlig unterschiedliche Bildwirkungen zu erzielen – und last but not least: es macht Spaß, einfach auch mal zu spielen.

Klar ist auch: es gefällt nicht jedem. Meine Meinung: muss es ja auch nicht! „Geschmackssache“, sagte der Affe und biss in die Seife. Gerade weil es die unterschiedlichsten Ansichten gibt, interessiert mich Eure Meinung – gefällt Euch ein derartiger Look oder eher nicht? Haut in die Tasten und lasst einen Kommentar dazu hier 🙂 Ich bin sehr gespannt!

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2 Gedanken zu „How to | Illustrativer Look bei Fotos

  1. Ganz interessante Ergebniss …
    obwohl ich PS habe (CS4) seit paar Monaten Nutze ich den ganz selten …dafür aber ON1
    Ob ich das änliche im ON hinbekommen …muss ich ausprobieren
    vieleicht schafe das oder aber kräire was neues 🙂
    Bin schon jetzt gespant

  2. Hi Czoczo,

    sofern dein Bildbearbeitungsprogramm einen Ölfilter hat, sollt das kein Problem sein. Letztlich passiert ja nur: Details herausheben, Ölfilter anwenden, Hochpass-Schärfen. Das alles halt in Ebenen, was die Feinanpassung erleichtert und fertig. Mehr ist es gar nicht.

    Sehr dezent angewandt, geht das auch bei schwarz-weiß sehr gut. Wenn ich dazu komme, gibts evtl.heute noch ein paar entsprechend bearbeitete Rom-Fotos dazu.

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