Da sind wir also… nicht auf dem Vesuv und auch nicht auf Ischia, sondern auf Capri! Komm mit auf Entdeckungstour auf der traumhaften Insel und lass dich (vielleicht) ein wenig anstecken…

Wir schieben uns erst einmal durch die in Scharen asiatischer Mitmenschen, die nur Augen für ihre (wahlweise bunte Fähnchen oder Schirme schwenkenden) Reiseleiter haben, in ein etwas ruhigeres Eckchen. Na ja, OK, ruhig ist relativ, aber alles ist besser, als inmitten von Großgruppen japanischer oder chinesischer Touristen zu stehen. Zumal diese Herrschaften dermaßen hektisch sind, dass man noch dazu um Augen (Stichwort: tanzende Schirme) oder Füße (Stichwort: egal, ob da ein fremder Fuß im Weg ist, wir latschen drüber) fürchten muss.

Capri Ischia Procida Italien Insel

 

Selbstverständlich habe ich für die maßlose Eile vollstest Verständnis – in knapp zwei Stunden möglichst jedes Haus, jeden Grashalm und was es sonst noch so gibt, abzuknipsen will schließlich militärisch durchgeplant sein. Kollateralschäden sind dabei zweitrangig und dass Urlaub zur Erholung da ist und man es mal ruhiger angehen lassen kann, glauben auch nur Langnasen.. (Wer glaubt, hier etwas Ironie zu finden, darf sie behalten 😉 ). Nicht dass hier ein falscher Eindruck aufkommt: ich habe ganz und gar nichts gegen Menschen dieses Kulturkreises (auch nicht gegen die anderer), allein, „die Dosis macht das Gift“ und manche Verhaltensweisen empfinde ich als…. nennen wir es „der Rücksichtnahme weniger zugeneigt“ 😀 Capri oder  Ischia

 

 

 

Marina Grande – und was machen wir nun?

 

Da stehen wir nun im Hafen von Capri (dass er Marina Grande genannt wird, erfahren wir erst später – so super wie wir vorbereitet sind 😉 ). Logische Frage: „Und nun?“. Schauen wir uns doch mal um, immer der Straße nach gehts aufwärts. Allerdings nicht lange. Die Straße ist eng, der „Bürgersteig“ gefühlte 20 cm breit und ebenerdig. Wer mitgelesen hat bis hierhin weiß, Autofahrer in Italien in Kombination mit heißblütiger Fahrweise bedeutet für Fußgänger: Alarmstufe rot! So kommt es, dass wir, als der Fußgängerbereich letztlich nur einen Fuß breit ist, umkehren und nach wenigen Minuten wieder am Hafen sind. Und siehe da, jetzt entdecken wir auch, dass es auf Capri (außer kleinen Minibussen) noch ein weiteres Verkehrsmittel gibt: eine kleine aber feine Standseilbahn – die Funicolare. Ein Blick, ein Nicken und los gehts, Tickets besorgen.

 

Kurz darauf stehen wir in der Funicolare, die uns gemächlich nach oben befördert. Und wieder überrascht mich die Insel – diesmal mit überwältigenden Ausblicken auf den Golf von Neapel, auf Gärten mit Zitronenbäumen und Weinreben und herrlich pittoresk anmutende, blendend weiße Häuser. Capri IschiaBlick über Capri

Überall tausend Arten von Grün, dazu das Gelb der Zitronen, die unzähligen Blauschattierungen des Meeres und als Kontrast die schroffen Felsen, die hoch aufragen. Wunderschön – das könnte sich kein Designer so ausdenken.

 

Die Piazetta – Bella Figura

Capri oder Ischia

Nach knapp zehn Minuten erreichen wir die zweite und somit Endstation der Funicolare: die Piazza Umberto von Capri-Stadt. Direkt nach dem Verlassen der Station steht man auf einer Terrasse, hoch über dem Meer und Marina Grande und wieder erschlägt einem das Panorama förmlich. Atemberaubend – eine andere Formulierung ist schlicht nicht möglich.

 

Ein paar Schritte weiter, am Glockenturm links abgebogen und schon stehen wir mitten auf der Piazetta, wie die Capresen ihr Freiluftwohnzimmer liebevoll nennen. DER zentrale Ort der Insel, um zu sehen und, noch wichtiger, gesehen zu werden. Hier sitzen im Hochsommer die Schönen und Reichen der Society neben denen, die sich dafür halten und manch Einheimischen.

 

Eines ist allen gemein, man muss „Bella Figura“ abgeben. Italienerinnen haben diese Fähigkeit bis zur Perfektion verfeinert – und alle halten sich daran. Vom Teenager bis zur hochbetagten Nonna: niemals wird man eine Italienerin, die etwas auf sich hält, schlampig gekleidet oder mit Frisuren a la Vogelnest in der Öffentlichkeit sehen.

 

Bella figura
(dieses Foto entstand bei einem späteren Besuch auf Capri)

ri oder Ischia

Gassen, Gässchen und atemberaubende Ausblicke

 

Ziellos lassen wir uns über die Insel treiben – einen Plan haben wir ja nicht, weder davon, wo wir eigentlich genau sind, noch, was es sehenswertes gibt. Allerdings finden wir, das ist die schönste und entspannteste Art, neue Orte kennenzulernen. Und bisher war es, wenn auch meist ungewollt, noch immer die für uns beste Art, schöne Fleckchen zu entdecken.

 

Durch enge und engste Gässchen lassen wir uns einfach treiben.

 

Schneeweiße Häuser in der typischen Bauweise kleben teils scheinbar an den Hängen – die Gärten liefern ein Farbfeuerwerk unzähliger Blumen und Blüten. Dazu trotz Hochsommers herrlich klare Luft und von so gut wie jedem Zipfel erhascht man einen Ausblick aufs Meer.

 

Capri Blick zum Monte Solaro

 

Nach einigen Stunden des Staunens und Treibenlassens landen wir in der Via Camarelle.

 

Capri

Alter Schwede! Jetzt wird mir wieder klar, weshalb Capri nachgesagt wird, eine der exklusivsten Locations für Stars und Sternchen, der Hollywood-Connection und sonstiger hochkarätiger Prominenz zu sein. Luxuslabel an Luxuslabel reiht sich hinter dem höchst exklusiven Hotel Quisisana die ganze Straße entlang. Im ersten Reflex neigt man als Otto-Normal-Besucher mit einem dem Durschnitt entsprechenden Bankkonto, die Straße umzutaufen: Via „Schick-Scheck-Schock“. Aber hey, cool bleiben – auch für 4800 Euro werden die mörderischen Highheels im Schaufenster vor einem auch nicht bequemer. 🙂

 

Nach diesem Ausflug in die Shoppingmeile für Gutbetuchte müssen wir langsam aber sicher wieder die Richtung zum Hafen einschlagen.

 

Dieses Mal machen wir uns zu Fuß auf den Weg nach unten, was ich gegen Ende, als wir unzählige Treppen hinter und noch einige vor uns haben, bereue. Meine Knie geben nämlich zunehmend seltsamere Geräusche von sich und so richtig geschmiert scheinen sie auch nicht mehr zu sein :O

 

Dafür gibt es aber immer wieder Entschädigung in Form von herrlichen Aussichten – wenn das kein Ansporn ist!

 

Teuer, viel zu teuer – kann sich keiner leisten…

 

Dieses oft gehörte Vorurteil über gewisse Hotspots in Italien ist offenbar nicht kleinzukriegen und so gilt es auch für Capri. So wenig, wie wir das bei zahlreichen Aufenthalten in Rom oder kürzlich erst in Venedig erlebt haben, so wenig haben wir es auf Capri erlebt. Nach einigen Stunden schlendern, schauen und staunen meldete sich nämlich auch unser Magen.

 

Bis zur Abfahrt der Fähre blieb auch noch Zeit, was also liegt näher, als sich in einem Lokal niederzulassen und noch etwas zu essen? Gedacht, getan – in einem kleinen Lokal direkt am Hafen lassen wir uns, trotz der mir verhassten bebilderten Speisekarte, nieder. Ohne große Erwartungen ordere ich mir eine Portion Spaghetti con Cozze.

Capri Ischia Procida Italien Insel

 

Was sich wenig appetitanregend anhört, ist ganz harmlos: Cozze sind schlicht und ergreifend leckere Miesmuscheln. Und was dann da vor mir auf dem Teller liegt, lässt mich wieder nur staunen. Viele, sehr viele, große, sehr große Muscheln auf perfekt al dente gegarten Spaghetti mit halbierten Kirschtomaten mit einem wahnsinnig fruchtigen Geschmack.

 

Vermutlich dümpelten die Muscheln vor einer Stunde noch im thyrrenischen Meer – jetzt landen sie in meinem Magen. Für 9 Euro. Wahnsinnig teuer! Touristennepp! Abzocke! Ihr merkt schon, hier schlägt wieder etwas Ironie durch – die schenke ich all denen, die von ihrer Meinung diesbezüglich nicht abzubringen sind. Auch die Getränkepreise liegen hier durchaus auf normalem Nivau.

Das Ticket – wo ist bloß das Ticket?

 

Frisch gestärkt und nach einem letzten Glas Rotwein geht es Richtung Fähre. Jetzt ärgere ich mich zum ersten Mal, dass ich unseren Zug zurück nach Rom so früh gebucht habe. Hätten wir doch nur eine spätere Verbindung genommen – dann hätte es auch eine spätere Fähre sein können. Nun gut, es hilft nichts – wir müssen von diesem herrlichen Fleckchen weg.

 

Also auf zum Kai und auf die Fähre, die schon wartet und die wir als einige der Letzten besteigen wollen. Der beste aller Männer zückt die Tickets, während ich genüsslich über den Hafen schaue. Was sind die bunten Boote auf dem glasklaren Wasser aber auch entzückend!

 

Capri-Fischerboot-Hafen

 

Nach einem kurzen Stupser bewegen wir uns auf die Fähre zu.. ähm, Moment mal: Wieso habe ich nur ein Ticket in der Hand? Wir sind doch zu zweit?

 

„Schatzi, wo ist denn das zweite Ticket?“

 

Der beste aller Männer schaut mich an, als ob ich Suaheli gesprochen hätte.. „Die hab ich dir vor 30 Sekunden in die Hand gedrückt“.

 

„Nö, ich hab doch nur eines, das andere musst Du haben?“

 

Der (gerade noch so) beste aller Männer schaut mich entgeistert an (die Fähre ist startklar): „Willst Du mich verar…? Ich hab dir beide Tickets eben in die Hand gedrückt und gesagt, du sollst sie mal halten.“

 

OK, jetzt wird mir leicht flau in der Magengegend.. Ein kurzer Blick und der Gedanke „nicht mal ihren Müll können die Leute in die Tonne werfen“ durchzuckt mich, als ich einen Papierfetzen auf der Mole sehe, der im Begriff ist, vom Wind Richtung Wasser befördert zu werden. Ist das vielleicht? Nee, kann nicht sein..

 

Einen kleinen Windstoß später hechte ich dann doch darauf zu und drehe den „Müll“ um… Flööööööööt……. ICH habs nicht fallenlassen – ich schwör!!! (Der Stein, der mir vom Herzen fiel, hätte gut und gerne einen Tsunami auslösen können). Überflüssig zu sagen, dass der beste aller Männer kurzweilig nicht soooo gut auf mich zu sprechen war 😉

 

So ging ein absolut und ganz und gar völlig anders geplanter Tag dem Ende entgegen. Für uns stand schon, als wir noch nicht einmal den zweiten Fuß auf dem Steg zur Fähre hatten fest, wir kommen wieder hierher. Unbedingt – und dann länger als einen Tag.

 

Leicht geschafft aber glücklich freuten wir uns auf die Verschnaufpause auf der Bahnfahrt, die uns zurück nach Rom bringen sollte. Eine gute Gelegenheit, die Füße etwas hochzulegen und in Ruhe vielleicht ein Nickerchen zu machen… Mit dem, was wir dann erlebten, hatten wir nun wirklich nicht gerechnet…

 

 

den vierten und (versprochen!) letzten Teil dieses Trips findet ihr hier: Was ein Zug, eine Klimaanlage, Limoncello und israelische Araber in Italien miteinander zu tun haben

 

 

 

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