… wo gehts hier zum Vesuv? So könnte man unseren nächsten Gedanken, nach erfolgreichem überqueren besagter Kreuzung, in Worte fassen. Stadtplan? Brauchen wir nicht – haben wir also nicht. Vorausgeplant? Blödsinn, spontan ist immer am schönsten.. 😉 Folge uns…

Neapel Italien Vesuv

So kam es, dass wir erst einmal gemütlich zu Fuß „der Nase nach“ loszockelten. Über überfüllte Bürgersteige, von eiligen Nepolitanern überholt, gefühlten tausend Straßenständen (hüstel..eher „Teppichen“ – da alles auf großen Tüchern auf dem Boden ausgebreitet feilgeboten wurde)ausweichend, näherten wir uns immer mehr dem Hafen. Der Weg dorthin, von den beschriebenen Hindernissen mal abgesehen, unbeschreiblich.

Capri oder Ischia

Breite Straßenschluchten mit Verkehr aus der Hölle, meterlange Wäscheleinen quer über die Straße, behangen mit (nicht immer ansehnlicher) Wäsche und Klamotten, beklebte Wände, die ein oder andere Verwünschung via Graffiti an die „ehrenwerte Gesellschaft“ an Hauswänden oder allem, was sich sonst noch besprühen lässt.

 

 

Kulturschock – der 2.

 

Trostlos wirken die Straßenschluchten, an den Häusern kleben, wie überdimensionale Neapel Italien Vesuv Wespennester, gefühlte Tausende von Klimaanlagen und die winzigen Balkone sind nicht selten vollgestopft bis zum absoluten geht-nicht-mehr. Schwer zu sagen, was dort -außer Bergen von Müllsäcken-, noch so gehortet wird.

 

In der ein oder anderen Ecke möchten wir auch nicht zu lange und offensichtlich hinschauen, von fotografieren ganz zu schweigen. Bedrückend – es ist warm, es ist Sommer, der salzige Geruch des Meeres mischt sich mit Abgasen, strahlend blauer Himmel und trotzdem fehlt eine gewisse Leichtigkeit.

Capri oder Ischia

Wo übrigens die Müllsäcke landen, die auf den Minibalkonen keinen Platz mehr haben, erleben wir gleich darauf live und in Farbe… Die neapolitanische Lösung ist ganz einfach: man öffne das Fenster, werfe (wenn überhaupt) einen kurzen prüfenden Blick nach unten – und befördere den Müllsack kurz und schmerzlos aus dem Fenster oder wahlweise vom Balkon. Unnötig zu erwähnen, dass es überhaupt gar keine Rolle spielt, ob der Abfall im Erdgeschoss, im ersten Stock oder in der fünften Etage angefallen ist. Die Schwerkraft wirds schon richten.

 

Löcher in Bürgersteigen? – Wen juckts, Probleme in Napoli sehen anders aus

 

Auch Baustellenmanagement ist typisch neapolitanisch geprägt: auf dem Bürgersteig ein Loch, vielleicht 80 x 80 cm und gut und gerne einen Meter tief… Ein bisschen „Gitter“ aus orangefarbenem Plastik wird schon verhindern, dass jemand reinfällt. Ähm.. ich kann sagen: nein, tut es nicht. Und nein, ich bin nicht reingefallen, das war aber mehr Glück als effektive Gefahrstellenmarkierung 🙂

Neapel Italien Vesuv

So geht es, vorbei an einer frei auf dem Bürgersteig stehenden Zapfsäule (Tankstelle a la Napolitana) mit weithin sichtbarem Rauchverbotszeichen, weiter Richtung Hafen und Castel Nuovo. Ach ja, die Tankstelle bietet selbstverständlich den perfekten Service und kann einen Tankwart vorweisen – welcher mit brennender Zigarette im Mundwinkel und Zeitung in der Hand auch brav darauf achtet, dass niemand das Rauchverbotszeichen ignoriert :-D.

 

Ich muss gestehen: ich kam aus dem Staunen teils nicht mehr heraus. So what – andere Länder, andere Sitten und in Italien läuft im Allgemeinen einiges anders und in Napoli trifft das offenbar im ganz  Speziellen zu. Abgeschreckt fühlten und fühlen wir uns davon absolut nicht. Ein bisschen Gelassenheit ist generell dem eigenen Seelenfrieden sehr zuträglich und um entsetzt die Nase zu rümpfen, lieben wir Italien viel zu sehr.

 

Halbzeit in Napoli

 

Da es ja noch früh am Morgen ist, wollen wir uns, bevor wir uns Richtung Vesuv aufmachen, noch etwas umsehen. Also geht es zu Fuß am Containerhafen vorbei weiter, an der Molo Beverello vorbei bis zum Yachthafen. Schon krass: 15 Fußminuten früher Hochhaustristesse, aus den Neapel Italien Vesuv Fenstern fliegender Müll und hier liegt massig Geld auf dem Wasser. Die Katzen, die sich hier herumtreiben und Schatten suchen, kümmerts nicht ;).

 

Kurz hinter dem exklusiven Yachtclub, zu dem nur (viel-)zahlende Mitglieder Zutritt haben, peilen wir eine kleine Bar an, die mit kleinen Tischen im Schatten zu einer Pause einlädt. Den grandiosen Blick über den Golf von Neapel zum Vesuv gibt es gratis dazu. Unterhalb der Mauer vergnügt sich die neapolitanische Jugend zwischen den Felsbrocken im Meer.

 

 

Die Leichtigkeit des Seins scheint hier wieder zu Tage zu treten. Denkt man darüber nach, dass sehr viele Neapel Italien Vesuv der sich vergnügenden Ragazzi hier schon bis zum Hals in Straßenkriminalität stecken, verschiebt sich der Eindruck wieder. All das wussten wir jedoch schon zuvor, dazu wissen wir zu viel auch über das Land. Es ist daher nicht so, dass wir nun fassungslos hier stehen und später unser Entsetzen über diese Stadt kundtun. Die Macht, Verhältnisse zu ändern, haben vor Ort zunächst einmal andere – wir Besucher akzeptieren das entweder, oder wir bleiben weg. Aber wir heben bitte nicht den Finger und lassen uns dann seitenweise darüber aus, wie man sich nur in einer Stadt wie Neapel aufhalten kann, so dreckig, so arm, so „bäääh“… Alle Fingerzeiger mögen dann bitte für den Start ihrer nächsten Kreuzfahrt auch einen anderen Starthafen wählen 😉 Sorry, der Seitenhieb musste sein..

 

Der Pate kommt kurz vorbei

 

Moment… was? Wieso? Nun, nachdem wir in der lauschigen kleinen Bar Cafe, Wein und eine Kleinigkeit zu essen geordert haben, genießen wir erstmal den Ausblick über den Golf von Neapel. Links von uns ragt der Vesuv hoch über dem Meer auf, geradeaus können wir im Meer gerade noch so die Insel Ischia erahnen. Dreißig Grad (um zehn Uhr morgens), strahlend blauer Himmel ohne auch nur den Hauch einer Wolke und das Meer in tausend Blauschattierungen… herrlich.. So kann frau fast vergessen, dass sie endgültig die dreißig hinter sich hat und künftige Geburtstage immer eine 4 vorangestellt haben.. Na, bei der Kulisse gibt es auch schlimmeres 😉

 

Ich registriere aus den Augenwinkeln, wie ein älterer Herr mit Ziehharmonika langsam die Bar anpirscht und versinke prophylaktisch (ich kann nicht anders, ich bin so;), tiefer im Stuhl. Meine Hoffnung, dass der beste aller Männer den Musikanten nicht sieht, wird jedoch zunichte gemacht mit „meinst Du, der spielt was bestimmtes, wenn ich frage?“  – Himmel, tu mir ein Mauseloch auf! Zu spät… ein kurzer Winker und schon steht die neapolitanische „Quetschkommode“ erwartungsfroh neben unserem Tisch..

 

Der erste Versuch des besten aller Männer, dem Mann mitzuteilen, was er gerne hören will, schlägt fehl.. Oh prima.. gehts noch peinlicher? Es geht! Auch der zweite Versuch zaubert lediglich verständnislose Fragezeichen ins Gesicht des Musikanten.. Wo war nochmal das Mauseloch ?

Neapel Italien Vesuv

Ah, nicht vorhanden – warum wundert mich das nicht.. Meine Gebete, Mann möge aufgeben, werden auch nicht erhöht – im Gegenteil … er intoniert inbrünstig (nie wieder Rotwein vor zwölf Uhr mittags!!!!), das gewünschte Stück…

 

Und, oh Wunder… er wird erhöht… Kurz darauf erhalten wir – sämtliche Klischees lassen grüßen – ein Soloständchen von „Brucia la Terre„… Der Pate lässt grüßen… Und, das muss ich zugeben – es hat ja was ! 😀

 

 

Vesuv – wir kommen!

 

Nach der unerwartet von dem Ständchen“Brucia la Terra“ untermalten Verschnaufpause erinnern wir uns wieder an unser ursprüngliches Vorhaben: den Vesuv zu besuchen. Nachdem ich den bisher zurückgelegten Fußweg kurz Revue passieren lasse, entscheide ich: nein, fast den ganzen Weg zurück bis zur Stazione Vesuviana gehen wir nicht zu Fuß!

 

Da das Glück ja bekanntlich immer mit den.. *hüstel* ist, befindet sich neben der Bar ein Tabacchi. Ach, das ist die Unkompliziertheit, die wir an Italien so lieben: Ein Tabacchi verkauft nicht nur (die in Italien überaus beliebten) Rubbellose, Tabakwaren jeder Art, Postkarten und Zeitschriften – nein, auch Tickets für den ÖPNV gibt es hier. Also trabe ich zum Tabacchi und erwerbe radebrechend zwei Bustickets zu je 1.60 €. Gültig für 90 Minuten ab Entwertung – das sollte doch mehr als ausreichend sein! Vesuviano – wir sind unterwegs – halte durch! Dem netten Kellner sei Dank wissen wir auch, welche Buslinie wir brauchen und machen uns auf den Weg…

 

Murphy`s Law – oder wie weibliche Intuition die Geschichte beeinflusst

 

Als stolze Besitzer zweier Tickets machen wir uns gemütlich auf den Weg zur nächsten Bushaltestelle. Diese liegt, direkt vor der öffentlichen Grünalage, schön im Schatten.

 

Das Leben ist schön – wir haben Zeit und sitzen gleich in einem schönen Bus. OK, man darf ja noch träumen oder? Schattig standen wir ja, aber die vorbeifahrenden Busse (unsere Linie war noch nicht dabei) brachten mich angesichts der Überfüllung leicht ins Grübeln.. sind die alle so voll??? Ach was, Annik, du denkst zu viel!… Nach kurzer Wartezeit gesellt sich noch eine kleine, offenbar neapolitanische, Familie zu uns. Der nächste Bus, der kommt, ist unserer.. Und er ist voll.. Nein, er ist übervoll..

 

Nach (sehr) kurzer Schockstarre bringe ich noch raus „Schatzi, da steig ich nicht ein – wir nehmen den nächsten..“ Sprachs und sah zu wie der beste aller Männer auf den hinteren Einstieg aufspringt (die Türen gingen schon gar nicht mehr zu!).. Die italienische Mama machte ihrem besten aller Männer lautstark klar, dass sie nicht gedenke, da einzusteigen und mein GöGa ruft „nun komm schon“..

 

Ähm… nein, ganz sicher nicht.. Ich stelle mich drauf ein, falls er jetzt nicht aussteigt, zum nächsten Halt weiterzulaufen und ziehe am Rucksack auf seinem Rücken.. Ha! es hilft – zwar meckernd und schimpfend- kommt er vom Fußtritt des Busses runter.. der Bus fährt ab und wir stehen noch immer am Ausgangspunkt 🙂 Keine zehn Pferde hätten mich in diesen Bus bekommen – und ich war durchaus schon einiges gewohnt. Bei aller Schmerzfreiheit, das war mir too much…

 

 

Mit dem Ziel, an der nächsten Haltestelle, die es ja alle paar hundert Meter gibt, unser Glück erneut zu versuchen, gehen wir zu Fuß weiter. Ist ja auch ein schöner Weg, so ist es nicht. Neapel Italien Vesuv Fünf Minuten später sehe ich rechter Hand eine Reihe von Ticketschaltern, an denen sich die Menschen scharen.. Was ist das denn? Ein zweiter Blick zeigt: hier fahren die Fähren nach Capri, Ischia, Sorrent & Co ab.. Beiläufig sage ich zum immer noch leicht übellaunigen besten aller Männer „schau mal, hier fahren die Fähren nach Ischia und so…“

 

Geht das nicht schneller?  – Ticketkauf für Anfänger

 

Fehler… großer Fehler.. kaum habe ich meinen Hinweis an „den Mann“ gebracht, ist selbiger aus meinem Dunstkreis verschwunden.. Mein Puls steigt.. boah ey.. erst pissig sein, weil ich mich weigere in den Bus zu steigen, jetzt verschwunden – was zum Teufel geht denn hier ab? Nach dem ersten Anflug leichter Panik angesichts der Menschenmassen kann ich GöGa dann doch entdecken und kämpfe mich langsam durch.. „Wollt nur mal schauen, wo die hinfahren“… okey……. Ein kurzer Blick auf die Uhr, ein noch kürzerer Blick auf den Fahrplan… „due biglietti per favore“…

Schwups, landen zwei Tickets in der Ausgabe.. Hin – und Rückfahrt. Der beste aller Männer zahlt und möchte dann wissen, wie lange die Überfahrt dauert? „45 Minutes“, ist die Antwort.. Entsetzter Blick des besten aller Männer „geht das nicht schneller?“.. Antwort:“ it’s the fastest ferry“..

 

Ich hab noch nicht so ganz geschnallt, welcher Film hier gerade läuft, aber das kennen wir ja.. Kurz darauf sitzen wir inmitten einer Horde bleichgesichtiger, bebrillter japanischer Teenager auf dem Oberdeck einer Fähre und los geht die Fahrt.. Während schon auf den ersten Metern die Gesichtsfarbe unser Mitfahrer aus Japan bedenklich verblasst, legt mir der beste aller Männer den Arm um die Schulter und sagt freudig:“Na Schatzi, dann verbringst Du heute Deinen Geburtstag auf Ischia! Toll, was?“

 

„Ähm.. jaaaa… toll..“ Die Sache hat nur einen Schönheitsfehler, der dem besten aller Männer offenbar nicht aufgefallen ist… Wir sitzen auf einer Fähre.. die Fähre fährt… aber die Fähre fährt… *nicht* nach Ischia…

 

Genau auf diese Tatsache mache ich Männe jetzt vorsichtig aufmerksam: „ja, ähm, toll… aber… wir fahren nicht nach Ischia..“ Ein verwirrter Blick und kreisende Fragezeichen über GöGa’s Kopf machen eine Ergänzung notwendig: „Wir fahren nach Capri – so steht es auf den Tickets, die Du Neapel Italien Vesuv gekauft hast“.. Ein einigermaßen entgeisterter Blick trifft mich.. Dann höre ich nur: „Super! Capri..! Vor meinem 70. Geburtstag wollte ich da sicher NIE hin…“

 

Oh Oh… das nennt man dann wohl „gefrustet“.. Es dauert kurz, aber dann fügt sich Männe in Dinge, die er nun eh nicht mehr ändern kann, und wir genießen die Fahrt über das Meer.. Der Vesuv ist stetiger Begleiter und neben ihm halten wir auch immer unsere japanischen Mitreisenden im Auge, da wir uns nicht sicher sind, inwieweit sie die Fahrt überstehen, ohne sich das Frühstück durch den Kopf gehen zu lassen..Dem Himmel sei Dank – das japanische Frühstück blieb drin und wir genossen eine herrliche Fahrt durch den Golf von Neapel..

 

Irgendwann mache ich mich auf den Weg zum Bug der Fähre und sehe langsam einen Schemen auftauchen.. Kurz darauf bin ich sprichwörtlich sprachlos.. ich meine, Capri stand weder auf unserem Plan, noch wusste ich viel mehr darüber, als dass es dort die berühmte „Blaue Grotte“ gibt und dass Schuricke mit seinem „Caprifischer“ eine ganze Generation zum Träumen brachte… Je näher wir der Insel kommen, umso grüner wird es.. Ich habe wirklich gar nichts erwartet.. aber als die beiden Spitzen, verbunden durch den grünen Sattel, vor uns auftauchen, bin ich hin und weg…

Capri Marina Grande Boats

 

Ein kleiner Hafen, gesäumt von bunten Häusern, erscheint… Ruderboote schaukeln auf glasklarem Wasser.. Wo sind wir hier nur gelandet? Nach dem Anlegen der Fähre vermeintlich erstmal in der Hölle – viel zu viele Menschen drängen sich auf der Mole… Das ist jedoch nebensächlich, viel zu fasiziniert sind wir von dem Ort, an dem wir gerade ungeplant gelandet sind… Farben, Gerüche, Geräusche – das muss ein falscher Film sein?

 

 

 

Den dritten Teil der Geschichte gibt es hier: Capri oder Ischia.III..

 

 

 

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Ein Gedanke zu „Story | Capri oder Ischia…Teil II

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