Capri oder Ischia … egal, Hauptsache Neapel.. so oder ähnlich könnte man die Story überschreiben, wie es uns an einem brüllend heißen Tag im Juli 2012 unverhofft von Rom nach Capri verschlug und die Insel uns sofort und undwiderruflich infiziert hat.. auf gehts in einen total verrückten Tag..

 

Neapel und der Vesuv

Neapel Italien Vesuv

Das war an diesem 6. Juli 2012 das erklärte Ziel. Ausgangssituation: Die Verfasserin befand sich, wie schon einige Male zuvor, im Urlaub in Rom. Der 6. Juli ist mein Geburtstag und zwei Tage zuvor hatte ich dem besten aller Männer eröffnet, dass ich a) unbedingt einmal nach Neapel, b) noch viel unbedingter auf den Vesuv müsse und c) Zugtickets in „bella Italia“ unglaublich günstig sind 😉 Was soll ich sagen? Es hat funktioniert – der beste aller Männer verkündete: „Es ist Dein Geburtstag, also machen wir das“. Juchhu – Napoli, ich kooooooooooommmeee…

 

 

 

Die erste Begnung mit Napoli – an Stazione Termini in Rom

 

Früh (und ich meine seeehr früh) am Morgen Aufbruch zur Stazione Termini. Zugtickets ziehen und noch schnell eine rauchen.. Ähm.. ich rauchte die letzte unserer Zigaretten, der bester aller Männer sprintete in den Bahnhof zum Tabacchi, um Nachschub zu besorgen. Noch während ich fasziniert die Menschenströme beobachte, die um diese Uhrzeit von den Türen ausgespuckt werden, kommt ein junger Mann gestikulierend auf mich zu. „Och nööö“, denke ich, „bitte nicht wieder angequatsche“.

 

Es hilft nix, kurz und bündig werde ich auf eine Zigarette angesprochen – die ich ja nicht habe. Leicht unruhig wünsche ich mir innerlich nun doch den besten aller Männer herbei, während mich der junge Italiener nach Herkunft und Ziel befragt. Herkunft ist rasch geklärt (hey, der kannte sogar den 1. FC Kaiserslautern), die Nennung des Ziels führt zu einem Begeisterungsausbruch auf italienischer Seite.

 

Vergessen die Zigarette, ich erhalte eine italienisch-englische Liebeserklärung des (wie sich herausstellte) jungen Neapolitaners, der Rom allmorgendlich nur des Jobs wegen besucht, über „the most beautiful town in the world“. So „wonderfull and unique“ sei Neapel, dagegen hat „la Capitale“ keine Chance.. und erst die Pizza.. „only one Euro for best Pizza ever“ die wir „essen unebedingte sonst we waren not in Napoli“.

 

Überflüssig zu erwähnen, dass ich nicht allzu unglücklich über das Erscheinen des besten aller Männer war, um dem zwar freundlichen, aber mir um diese Zeit fast schon zu enthusiastische Lobgesang zu entkommen. Hey, hätten wir nicht zum Zug gemusst, hätte ich dem jungen Mann wirklich gerne noch länger zugehört.. *hüstel* , ich schwör.. 😉

 

Neapel – wir kommen..

 

Mit (ja ja, ungesund, ich weiß) Rauchwerk ausgestattet legten wir einen kleinen Sprint Richtung Bahnsteig hin. Kurze Suche nach dem Ticketentwerter – wie könnte man auch drauf kommen, dass diese gelben Kästchen am Anfang jedes Bahnsteiges zu finden sind, und ab in unseren Zug. Laut Fahrplan trennten uns rund 2 Stunden und 15 Minuten von Napoli.

 

Kaum zwei Sitzplätze mit Beschlag belegt und die ersten zehn Minuten unterwegs tut der beste aller Männer das, was immer irgendwie geht: er pflegt seinen Schönheitsschlaf. Na Super, Unterhaltung auf einer langen Bahnfahrt wird ja auch vollkommen überbewertet..

 

Wider Erwarten wird die Fahrt trotz leichter akustischer Untermalung durch den schnarchenden Göttergatten äußerst kurzweilig. Zu schön ist die Fahrt vorbei an Olivenhainen und kleinen Örtchen durch die herrliche Landschaft. Je näher wir Neapel kommen, erhascht man auch einmal einen kurzen Blick auf tiefblaues Meer. Wunderschön!

 

Kurz bevor wir mit Napoli Centrale den Hauptbahnhof erreichen, wird nicht nur der Zug merklich langsamer, sondern der beste aller Männer ist auch wieder fit. Perfekt! Langsam rollen wir durch eher trostlos anmutende Hochhaussiedlungen weiter unserem Ziel entgegen, als (für mich total unerwartet) linker Hand der beeindruckende Kegel des Vesuv auftaucht.

 

Ich bin beeindruckt und kann die aufkommende Gänsehaut nicht unterdrücken – und daran ist nicht die Klimaanlage schuld. Wie nah der Vulkan an der Stadt ist – oder ist eher die Stadt dem Vulkan so nahe gekommen? Es ist unglaublich faszinierend und ich freu mich riesig auf den Tag…

 

Clash of cultures – mitten in Europa

 

Ha, wir als alte Italienfans und mittlerweile auch ein Stück weit Kenner und vor allem Liebhaber des italienischen Chaos – uns haut nichts mehr um. Dachte ich. Nach der Ankunft in Napoli genau geschätzte zehn Minuten lang. Genau so lange, wie wir brauchten, aus dem Zug auszusteigen, durch die Bahnhofshalle durchzugehen und auf der Piazza Garibaldi ausgespuckt zu werden.

 

Allmächtiger!

 

Wo sind wir, was tun wir hier und vor allem: wie überleben wir das? Es ist laut, sehr laut. Nein, sehr sehr laut. Autoschlangen in Fünferreihen auf zweispurigen Straßen, Sicherheitsabstand wird völlig überbewertet, wozu hat „la Macchina“ schließlich eine Hupe? Nun, die hat das Auto (Mensch, das weiß man doch!) um:

 

  • sich die gefühlt 50 Motorroller und -rollerchen vom Leib zu halten, die sich in die winzigen Lücken zwischen den Autos drängenNeapel Italien Vesuv
  • „guten Morgen“ zu sagen
  • „schön, Dich zu sehen“ zu sagen
  • „Hau ab, ich will die Vorfahrt“ zu sagen
  • „Platz da, ich blink zwar nicht, will aber links abbiegen“ zu sagen
  • „Hey Du da, jetzt fahr aber mal über die rote Ampel, sonst schieb ich dich drüber“ zu sagen

 

Diese Liste ist unvollständig und kann nahezu unendlich erweitert werden. Vor allem ist diese Art der Kommunikation aber eines: laut. Und für nicht Eingeweihte ein Buch mit sieben Siegeln. Um diese Kakophonie zu vervollständigen kreischen mal mehr mal weniger laut und ausdauernd die melodischen Martinshörner der Polizia, Carabinieri oder Polizia Municipal. Ob im Gewühl dieses Wahnsinns überhaupt jemand irgendwie darauf reagiert – ich hab es nicht herausgefunden (und zwar bis heute nicht!).

 

Verkehrserziehung auf neapolitanisch – hart, aber nachhaltig

 

Nach einer Pizza „auf die Hand“ – kalt aber, und da musste ich doch glatt wieder an den jungen Mann vor Stazione Termini denken, verdammt lecker (und für tatsächlich nur einen Euro) stürzten wir uns ins Abenteuer.

 

Lektion 1: wie überquere ich eine Kreuzung…

 

… an der die zweispurigen Fahrbahnen von Autos auf fünf Spuren erweitert wurden, sich zwischendrin die Motorroller tummeln und, sobald das Licht an der Ampel wechselt, einfach alle gleichzeitig Vollgas geben? Beim Umspringen der Ampel spielt es übrigens absolut gar keine Rolle, welche nun grün und welche rot wird. Es fahren – ganz genau – alle! Und zwar restlos alle. Mit Vollgas! Und Hupe! Und, wer könnte daran zweifeln, alle gleichzeitig!

 

Neapel Italien Vesuv

 

Fußgänger, die lebend auf die andere Seite möchten? Unwichtig – die brauchen bloß laufen.

 

Und genau das ist das Gebot der Stunde: Kopf hoch, Brust raus und zielsicher losmarschieren. Nicht rechts gucken, heranschießende Autos oder Vespas gekonnt ignorieren und bitte, niemals zögern oder stehenbleiben. Klingt einfach? Tut es. In der Theorie.

 

Wer jetzt dazu neigt, spöttisch zu lächeln, dem empfehle ich: Bitte als Ersttäter einmal nach Neapel, die Piazza Garibaldi überqueren und dann an der großen Kreuzung die Straßenseite wechseln.

 

Erfahrungsberichte werden anschließend vom Verfasser des Blogs sehr gerne per E-Mail, Fotos und Videos in Empfang genommen – selbstverständlich mit verständnisvoller Begleitung bei der Aufarbeitung des vor Ort Erlebten 😛

 

 

PS: In meiner Beschreibung habe ich doch glatt, siehe Foto, vergessen, dass natürlich in dem Gewühl auch die Straßenbahn noch zu ihrem Recht kommen möchte. Noch Fragen? 😉 😉 😉

 

PPS: Nein, ich habe nicht übertrieben mit meiner Schilderung, das Foto entstand in den gefühlten Millisekunden vor dem Vulkan- , Verzeihung, Verkehrsausbruch 😀

 

 

zu Teil 2 unserer verrückten Reise geht es hier: Capri oder Ischia…II

 

 

 

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