Und wieder mal Capri…Einen ersten Eindruck, was meine Auffassungsgabe in manchen Momenten angeht, habt ihr ja spätestens nach der Story mit den wilden Ziegen mit Sicherheit schon.. Hah! Ich bin noch viel besser, nach oben ist noch gaaaanz viel Luft…

Ameisenstraße

Während unseres ersten längeren Aufenthaltes auf Capri im Oktober 2012 hatten wir ein schnuckeliges Doppelzimmer mit Meerblick in der ganz entzückenden Villa Sarah. Ein schönes, kleines, familiär geführtes Hotel, das in der Nebensaison zu erschwinglichen Preisen zu haben ist. Pool, eine schöne Gartenanlage, die Zimmer mit typischen Majolika-Fliesen geschmückt – genau unser Ding..

Pizza to-go auf Capri und ihre Folgen

Neben den genannten Annehmlichkeiten war ein weiterer Vorteil der Villa Sarah, dass sie in unmittelbarer Nähe zu Lo ’sfizio gelegen ist. Eine urige, typisch capresische Pizzeria. Nicht umsonst kann man allabendlich einheimische Capresen beobachten, die meterhohe Türme von Pizzen dort abholen um sich zuhause mit „la famiglia“ den kulinarischen Genüssen hinzugeben.

„Was die können, können wir auch“ – das dachten wir uns nach einem langen Tag, als wir keine Lust mehr hatten, abends noch den zwanzigminütigen Fußweg ins Zentrum von Capri-Stadt auf uns zu nehmen, um irgendwo essen zu gehen. Wir beschlossen, uns eine Pizza zum mitnehmen beim Lo ’sfizio zu holen.

Bevor ich losstiefelte, habe ich noch bei unserem netten Wirt nachgefragt, ob das denn auch in Ordnung sei.. Selbstverständlich, null problemo, machen Sie nur.. Toll.. auch nicht unbedingt selbstverständlich. Also auf zur Pizzeria der Wahl.. Zehn Minuten später bin ich wieder im Hotelzimmer. Mit dabei: eine wagenradgroße Pizza für 7 Euro und zwei Portionen hausgemachtes Tiramisu alla Mama für zusammen drei Euro.. An der Rezeption erwartete man mich schon mit Besteck und wünschte „bon appetito“ – perfekt und großes Lob an die Gastgeber – das ist wirklich nicht selbstverständlich!

Pizza, Tiramisu und herrlicher Seeblick

Genüßlich machen wir es uns auf unserem gemütlichen Balkon im zweiten Stock bequem und genießen eine der besten Pizzas ever – typisch capresisch, einfach aber frisch und handgemacht – ein Gedicht! Und das Tiramisu erst – ich schwöre, ich hätte in dem Zeug glatt baden können. Das war besser als Sex – saulecker – um es mal „billig“ auszudrücken!!!!

Dazu den ein oder anderen Rotwein und, natürlich, den ein oder anderen Limoncello – hei, was ist das Leben und diese Insel schön..

Der nächste Morgen.. Ameisenstraße

… ist gar nicht so schlimm, wie man bei den Stichworten „Rotwein“ und „Limoncello“ denken könnte. Im Gegenteil..Ich bin erstaunlich früh erstaunlich fit erstaunlich wach.. Der beste aller Männer gibt sein Bestes, das Gehölz der capresischen Macchia abzuholzen  – gottlob ohne Erfolg!

Was bleibt mir also? Och, damit habe ich sowas von kein Problem – als Leseratte weiß ich mich immer zu beschäftigen – auch auf Capri!. Das Wetter ist perfekt, blitzblauer Himmel ohne Wolken und trotz Mitte Oktober kann ich in T-Shirt und Short gut draußen sitzen. Also Buch geschnappt (Axel Munthe: Das Buch von San Michele – passend zu Capri!) und raus auf den Balkon.

Das große Krabbeln?

Irgendwann registriere ich aus den Augenwinkeln, dass um mich herum reges Leben herrscht. Hm.. mal genauer hinschauen.. Ey, cool.. was die Tierwelt so treibt.. von außen an unserer gemauerten Balkonbrüstung marschiert eine wohlgeordnete Armee winziger Ameisen in akkurater Linie auf den Balkon..

Von der Balkonbrüstung auf den Boden des Balkons, in gerader Linie rechts an der Balkontür senkrecht in die Höhe. Dann links abbiegen.. Und das alles in schnurgerader Linie.. Überflüssig zu sagen, dass ich fasziniert bin.. Begeistert schaue ich mir das Schauspiel an und sinniere so über die Wunder der Natur und des Tierreiches.. Boah, ist das genial…

Ursachenforschung? – Wird total überbewertet 🙂

Ich komme gar nicht auf die Idee, die Frage nach „Wer wie was, wieso weshalb warum? – (wer nicht fragt bleibt dumm)“ zu stellen – vermutlich hätte ich mehr Sesamstraße schauen sollen – ich schwör, hätte ich auch, wenn ich gedurft hätte! Davon ab, draußen im Dorf rumzustreunen war damals aber spannender, als ne Flimmerkiste 😀

Ach ja, und gefragt hab ich mehr als genug, mein Opa würde da heute noch ein Lied von singen! Vielen Dank Opa, dass Du immer Zeit und auf alles immer (!) eine ausführliche Antwort hattest..

Irgendwann steht der beste aller Männer verschlafen auf der Terasse – es ist immer noch vergleichsweise früh.. Kaum hat er ein „guten Morgen“ gebrummelt, muss ich ihn auf dieses Wunder der Tierwelt doch glatt aufmerksam machen:

„Schatzi, schau mal, wie cool – wie akkurat geordnet und schnurgerade die Ameisen hier lang marschieren“

Verschlafen wirft mein bester aller Männer eine Blick auf und über die Balkonbrüstung:

„Hm, toll.. im Zimmer will ich die aber nicht!“

Man, Männer! Kein Sinn für nature life..

„Schatzi, mecker nicht.. ich find das wahnsinnig faszinierend, wie die so zielgerichtet alle Hürden nehmen. Schau doch mal, ich meine, wir sind hier im zweiten Stock! Was ist das für eine Leistung für so kleine Tierchen.. Wo die wohl hinwollen? Die folgen bestimmt einer inneren Bestimmung, die wir nie verstehen..!!“

Der beste aller Männer hört mir zu und wirft mir einen undefinierbaren Blick zu.. verfolgt die Ameisenstraße mit den Augen – verdreht dann eben diese und antwortet:

„Ja, klar, wahnsinnig faszinierend, diese innere Bestimmung… direkt zum Pizzakarton neben dir..“

Logisch, dass er mich jetzt wieder veräppelt.. von was redet der denn da? Auf Nachfrage bekomme ich nur einen vielsagenden Blick… Ok, schauen wir doch mal genauer hin, wenns denn sein muss…

Die Ameisentraße wandert munter von außen über die Balkonbrüstung, rechts von der Balkontür senkrecht in die Höhe, dann scharf nach links, über das Balkonfenster hinweg, senkrecht wieder nach unten und schnurgerade……. in den Pizzakarton vom Vorabend :O

Bedarf es hier weiterer Worte? Nein! Das dachte sich auch der beste aller Männer, lachte sich einen und verschwand in der Dusche –  nicht, ohne die Balkontür gut hinter sich zuzuziehen..

Mangels Fotobeweis war ich so frei, es zu illustrieren: Ameisenstraße

PS: das Bild, wir wir kurz darauf mit einer ameisenverseuchten Pizzaschachtel in einer Plastiktüte wie die Tagdiebe aus dem Hotel schlichen um den lebenden Karton zu entsorgen, darf sich jeder selbst ausmalen! 🙂

 

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