Im Beitrag zu den vatikanischen Gärten habe ich es schon angedeutet bzw. den Tipp gegeben, die „Kleiderordnung“ einzuhalten. Warum? Der Lateran, Annik & die „göttliche“ Kleiderordnung…Nun, wie ich (trotz besseren Wissens) am eigenen Leib erfahren habe, versteht man diesbezüglich unter Gottes Dienern wirklich keinen Spaß.

Passend dazu erschien in der „Welt“ ein Artikel, der die Empfehlungen des „Netzwerk Etikette Trainer International“ vorstellt. Dort liest man an erster Stelle des „Kleiderknigge“ für Kirchen folgendes:

1. Du darfst in kurzen Hosen und Röcken eintreten, aber mehr als Unterschenkel und Knie sollten vom Bein nicht zu sehen sein.

Falsch, liebe „Etikette Trainer International“ – in der Lateransbasilika ist das zumindest noch nicht angekommen 😉

Ich weiß nicht, von welchen Kirchen die Verfasser hier reden, vielleicht von Pfarrer Fritz-Ottos Kapelle in Piesewinkel-Fuchs-und-Hase? Klinge ich sarkastisch? Gut so – und noch besser, dass ich zum Zeitpunkt unseres Besuchs von San Giovanni in Laterano noch nicht gebloggt habe – der Artikel wäre damals sicherlich reif für die Zensur gewesen..

 

Vor Gott sind alle gleich? Nö – nur, wenn es Männer sind!

Klingt böse? Perfekt – ist nämlich auch genauso gemeint. Wer mich kennt, wie z. B. der beste aller Männer, weiß, dass ich wahrlich darauf bedacht bin, nicht aufzufallen. Das gilt auch für gewisse Regeln wie sie beispielsweise für den Besuch von Gotteshäusern gemeinhin gelten – auch, wenn man diesen durchaus kritisch gegenübersteht. Ich erinnere beispielsweise den besten aller Männer daran, das Basecap abzunehmen und sehe zu, dass ich in der Lage bin, meine Schultern fein zu bedecken – gerade in Rom, wo manche (Kirchen-)Uhren nochmal anders ticken..Alles kein Problem. Bis zu unserem Besuch von San Giovanni in Laterano im brütendheißen Sommer 2015!

Trotz zahlreicher Besuche in Rom hatten wir es bis dato noch nicht geschafft, die Lateransbasilika – ihres Zeichens Sitz des Bischofs von Rom, zu besuchen. Im letzten Sommer sollte sich das nun ändern. Bei 35 Grad morgens um neun machten wir uns auf den Weg. Der beste aller Männer und mein Vater in Jeans und Hemd, ich in kurzer Hose und mit langärmliger Bluse (wir erinnern uns: Schultern und so..) im Gepäck. Nach zwanzig Minuten schweißtreibenden Fußmarschs ab Bushaltestelle erreichen wir den Lateran. In einer schattigen Ecke hat meine (langärmlige) Bluse ihren Einsatz. Schnell noch ordentlich hergerichtet und auf Richtung Kirchenportal.

Schlafende Kirchendiener im Lateran und ihr Urteil

Der kühle Schatten des Gotteshauses lockt und wir öffnen die Tür. Das erste, was mir auffällt ist der (vermutliche) Kirchendiener, der zwei Meter hinter der Tür auf einem Stuhl sitzt und den Schlaf der Gerechten schläft. Pustekuchen – falsch gedacht. Kaum habe ich den zweiten Fuß ins Innere der Kirche gesetzt, erwacht der Aufpasser. Um mich sofort und unmissverständlich zu „bitten“, die Kirche sofort zu verlassen – Zutritt verboten. Grund: kurze Hose.

Dass exakt zeitgleich zwei Vertreter des männlichen Geschlechts in kürzeren Hosen als die meine, die quarkweißen, behaarten Beine mit weißen Socken bestrumpft in abgeranzten Wanderlatschen an uns vorbei die Kirche verlassen – geschenkt! Ich bin sauer. Nein, ich bin obersauer! Ich bin so sauer, dass ich mir auf die Zunge beißen muss, um nicht die ein oder andere Beschimpfung auf italienisch (das hätte ich noch hinbekommen!) abzulassen. Bevor mir doch noch ein „Stronzo“ (bitte bei Bedarf den G…e-Übersetzer bemühen) entfleucht, trete ich den Rückzug an – der bzw. die Klügere gibt ja bekanntlich nach..

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Shit happens – wenn kurze Hose „nein“, dann kurze Hose eben „nein“. ABER: es machte mich unglaublich wütend, dass das offenbar für die Herren der Schöpfung nicht galt. Was sowohl die beiden, die im Moment meines Rausschmisses die Kirche verließen, betraf als auch die drei, die währenddessen, ebenfalls kurz behost, die Basilika betraten!

Ich empfand das in diesem Moment – und tue es heute noch (!) als unglaublich ungerecht und diskrimierend. Wäre ich ein „Dreibein“, hätte sich kein Schwein (pardon: Kirchendiener) an meiner kurzen Hose gekratzt. Liebe (katholische) Kirche: noch bin ich Mitglied und zahle brav an euch 😉

Kurze Hose „nein“ – lächerliche Wickeltechniken „ja“ – muss man das verstehen?

Vermutlich nicht. Andererseits: von irgendwas müssen die fliegenden Händler, die im Dutzend vor den Eingängen von San Giovanni in Laterano auftreten, ja auch leben. Das Geschäft mit mehr oder minder häßlichen, maßlos überteuerten Stofffetzen floriert offenbar gut!

Ich verlasse die heiligen Mauern innerlich wutschnaubend und dränge den besten aller Männer zusammen mit meinem Vater die Basilika zu besichtigen. Warte ich halt draußen – shit happens. Die Rechnung habe ich dann aber nicht zu Ende gerechnet: nach zehn Minuten taucht der beste aller Männer damit bei mir auf:

 

Rom Lateran

 

„Schick“ – nicht wahr? Ich bin fassungslos – was soll ich nun damit? Nun, der beste aller Männer kennt mich und weiß, dass ich kurz vorm Siedepunkt bin. Er weiß auch, dass er sich das Thema „Annik will in den Lateran“ mit Sicherheit noch das ein oder andere Mal anhören „darf“. Also ist er losgestiefelt und hat ein „stylishes-typisch-für-Touris-mit-Collosseum-besticktes-Deko“- Tuch organisiert.

Nachdem ich kurz mit mir gerungen habe, ob ich wirklich bereit bin, mich mit derart lächerlich umwickelten Gehwerkzeugen öffentlich zu zeigen, wickle ich mir das Teil um die Haxen. Alberner geht es nicht mehr.. und wie es aussieht, kann sich jeder mit ein bisschen Phantasie selbst ausmalen..

Ach ja: dass mir im Inneren der Bischofskirche mehr kurzbehoste Männer, mal mit, mal ohne Socken über den Weg laufen, brauche ich nicht zu erwähnen oder?

Fotos gibt es von meinem höchst lächerlichen, aber offenbar nun überaus „respektvollen“ Aufzug zum Glück nicht 😉

Fazit: ja, es gibt Regeln – ob ich die gut finde oder nicht, sie sind da und ich halte mich daran. ABER: dann bitte gleiche Regeln für *ALLE* – egal ob Männlein oder Weiblein

Über die Tatsache, dass es im Petersdom offenkundig niemanden kratzt, dass laut geschrien, gelacht, gelästert und gerempelt wird, während ein unbedecktes Damen-Knie offenbar höchst respektlos ist, lasse ich mich lieber gar nicht erst aus – mein Blutdruck steigt sonst in gefährliche Höhen! 🙂

Immerhin gibt es auch schönere Eindrücke von San Giovanni in Laterano wie ihr am Anfang dieses Beitrages sehen könnt 🙂

 

 

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