Die Katzenkolonie an der Pyramide des Cestius (Gatti della Piramide) ist eine der größten in Rom. Die bekannteste hingegen ist die Kolonie am Largo Torre Argentina. Alle betreuten Katzenkolonie Roms hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Eines haben alle jedoch gemeinsam: unzählige „Gattare“ genannte „Katzenmütter“ kümmern sich um die Samtpfoten, lassen sie medizinisch versorgen, führen Kastrationsprogramme durch, füttern die Tiere und versuchen, dauerhafte neue Zuhause für sie zu finden.

 

All denen, die nicht vermittelt werden können, bieten die Katzenkolonien einen weitgehend geschützten Raum, in dem die Katzen einen Rückzugsort finden, jedoch ihre Freiheit behalten dürfen. Nur finanziert von Spenden und unter (nicht geringem) Einsatz ihrer privaten finanziellen Mitteln opfern sie einen Großteil ihrer Zeit den Katzen.

Gatti della Piramide Rom

Die Geschichte der Gatti della Piramide beginnt um das Jahr 1984, als Matilde, die Initiatorin, begann, eine betagte Dame mit Futterspenden für die Katzen zu unterstützen. Als die ältere Dame aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage war, sich um „ihre“ Katzen zu kümmern, übernahm Matilde mehr und mehr die Versorgung der Tiere. Schnell wurde klar, dass hier Hilfe von Not war, die über die reine Fütterung hinausging.

 

Die meisten Tiere waren krank, von Parasiten befallen, teilweise ohne Ohren oder durch Infektionen erblindet. Dennoch vermehrten sich die Katzen regelmäßig und wenngleich die meisten Jungtiere den ersten Lebensmonat nicht überlebten, musste Einhalt geboten werden. Obwohl krank, heimatlos und oft genug halb verhungert, waren die Samtpfoten vor den unvorstellbaren Grausamkeiten mancher „Menschen“ nicht sicher. Ich mag mir nicht vorstellen, was eine Gattare empfindet wenn sie, wie Matilde, eines Tages sechs auf einem Stock aufgespießte Katzenbabys auffindet!

 

Nun setzte sich Matilde bei den Behörden dafür ein, eine dauerhafte Zugangsberechtigung für das archäologische Gelände der Cestius-Pyramide zu erhalten. Kein leichtes Unterfangen, aber letztlich gelang es ihr – der Weg zu einer geschützten Kolonie war nun zwar noch weit, aber der erste Schritt war getan. Mit Holzkisten wurden erste trockene Rückzugsplätze für die Katzen geschaffen, Matilde veranlasste, dass das Gittertor zum Areal von ihr verschlossen werden konnte. Nicht, um die Katzen ein-, sondern um die Menschen auszusperren, welche zu oft Giftköder auf dem Geländer auslegten. Sterilisationsaktionen wurden initiiert, später erreicht, dass das Gelände drainiert wurde.

 

Letzteres war notwendig, weil bei starkem Regen das tief an der Mauer gelegene Gelände regelmäßig teils über einen Meter hoch unter Wasser stand. Die Katzen, die in Mauerspalten vor dem Regen Schutz suchten, ertranken oftmals jämmerlich. In den Mauern schuf man Möglichkeiten für Unterschlupf und warb mehr und mehr um Hilfe. Nur durch Spenden und zahlreiche Freiwillige, die viel Zeit zu investieren bereit sind, konnte die Kolonie entstehen und ein heute weitgehend gesunder Bestand erreicht werden.

 

Viele Tiere können in ein gutes Zuhause vermittelt werden, Kastrationsaktionen dämmen die Vermehrung kontinuierlich ein. Der „harte Kern“ der Katzenkolonie kann so weiterhin ein Leben in Freiheit führen, ohne jedoch tagtäglich unmittelbar vom Tode bedroht zu sein.

 

Ein wunderschönes Projekt (ebenso wie alle anderen betreuten Katzenkolonien in Rom!) wie ich finde!

 

Besuch bei den Gatti della Piramide

 

Die Katzen der „Gatti della Piramide“ können übrigens täglich von 14 bis 16 Uhr besucht werden und freuen sich über jede Futter- oder (noch so kleine) Geldspende. Wenn Ihr also den Cimitiero Accatolico besucht und Euch an den Grabwächtern auf Samtpfoten erfreut, hinterlasst eine kleine Spende – ich tue es bei jedem Besuch aufs Neue und bin absolut überzeugt, dass jeder Cent hilft und sinnvoll eingesetzt wird!

 

Wie kommt man  zum Cimitero Accatolico?

 

Die Anfahrt ist einfach:

 

Mit der Metro:
Metrolinie B, Ausstieg an der Station „Piramide“. Die Piazza San Paolo überqueren, rechts an der Pyramide vorbei, an der Ecke links abbiegen – nach ca. 50 Metern kommt der Eingang des Cimitiero. Wer „nur“ zur Kolonie möchte, kann links von der Pyramide durch das zu den Besuchszeiten geöffnete Tor auf das Gelände.

 

Mit dem Bus:
Linien 23, 30, 75, 95, 118, 175, 715, 716,716

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4 Gedanken zu „Rom | Gatti della Piramide – geschützter Ort für Samtpfoten

  1. Solche Geschichten rühren mich immer zu Tränen. Ich habe auch eine Katze (11 Jahre) und will mir gar nicht vorstellen, wie schwer es Tiere in der freien Wildbahn haben. Besonders wegen den vielen „Menschen“…
    Ein schöner Bericht, der einem zu denken gibt 🙂
    Viele Grüße
    Maria

    1. Hallo Maria,

      als Katzenmama von einer 3er-Kater-Gang komme ich auch auf Reisen einfach nicht an den kleinen Tigern vorbei. Ich finde einfach diese „Kultur“ der Versorgung der Tiere durch die Gattare gerade in Italien einfach wunderbar – und in den Kolonien dürfen die Tiere weiterhin in Freiheit aber dennoch geschützt (so weit es eben geht) verbringen. Ich muss vor Ort dann auch immer an unsere drei Jungs denken, die so wohlversorgt ihr Leben leben (können/dürfen)..

      Es werden noch einige Artikel rund ums Thema „Katzen“ in Rom bzw. Italien folgen, vielleicht schaust Du ja noch mal vorbei!

      lg,
      Annik

  2. Die Grausamkeiten möchte ich mir auch nicht vorstellen, aber es ist schön zu sehen, dass sich hier viel getan hat und dass die Katzen auch innerhalb der Großstadt solche tollen Rückzugsorte finden!

    Rom als Stadt liebe ich und das letzte Mal bin ich dort öfter umgestiegen. Wenn ich das gewusst hätte… Nächstes Mal gehe ich hin. Danke für Deinen Bericht und auch die anderen Italien-Berichte, die ich bisher nur überflogen habe. Italien ist wirklich eins der beeindruckendsten Länder, ich fahre gerne hin und finde solche Insider-Tipps wertvoll. Danke!

    Mir fallen bei Reisen auch immer Katzen auf (sicher auch, weil ich unseren Kater vermisse) und ich fotografiere sie oft. Schön finde ich, wenn man sieht, wie Menschen sich um sie kümmern. Das passiert zum Glück immer öfter, habe ich den Eindruck.

  3. Deutsche Katze an der Cestius-Pyramide !

    „O wie fühl ich in Rom mich so froh! gedenk ich der Zeiten,
    Da mich ein graulicher Tag hinten im Norden umfing (…)
    Deine Tochter Fortuna, sie auch! die herrlichsten Gaben
    Teilt als ein Mädchen sie aus, wie es die Laune gebeut.
    Bist du der wirtliche Gott? O dann so verstoße den Gastfreund
    Nicht von deinem Olymp wieder zur Erde hinab! –
    »Dichter! wohin versteigest du dich?« – Vergib mir; der hohe
    Kapitolinische Berg ist dir ein zweiter Olymp.
    Dulde mich, Jupiter, hier, und Hermes führe mich später,
    Cestius‘ Mal vorbei, leise zum Orkus hinab…“

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