in Rom gibt es zahlreiche Orte, die Katzen eine Zuflucht bieten – an einem der schönsten fungieren die Katzen als Grabwächter auf Samtpfoten. Im Testaccio an der Cestius-Pyramide befindet sich ein magischer Ort der Stille, der ein absolutes Highlight während eines Besuchs in Rom ist. Kommt mit zum Cimitero Accatolico…

 

Steigt man an der Metrostation „Piramide“ aus der Metro und verlässt das Gebäude, erschlägt einen der tosende Verkehrslärm förmlich. Unzählige Busse, Autos und Motorroller produzieren die typisch römische Geräuschkulisse und gern gesellt sich auch noch das charakteristische Martinshorn hinzu. Kurzgesagt: Man käme im Traum nicht auf den Gedanken, nur wenige Schritte von einer Oase der Ruhe entfernt zu sein!

 

Cimitero Accatolico

Nach dem Überqueren der Piazza di Porta San Paolo steht man vor der Pyramide des Cestius – das in die seit 271 in die aurelianische Stadtmauer eingebundene Grabmal des Gaius Cestius Epulo. Lässt man die Pyramide sprichwörtlich links liegen, geht an der Mauer entlang und biegt links ab, gelangt man nach wenigen Metern zum Eingangsportal eines wahren Schatzes. Durch das quietschende Tor betritt man den „Cimitero Accatolico“.

 

Dieser Friedhof der Nichtkatholiken, also Protestanten, Juden, orthodoxen Christen und Atheisten ist weit mehr als „nur“ ein Friedhof – er ist eine eigene, wunderschöne und einmalige Welt. 1784 wiesen die päpstlichen Behörden den Nichtkatholiken dieses Begräbnisfeld zu – bis dahin war es den Accatolici verboten, innerhalb der römischen Stadtmauern beigesetzt zu werden. Inklusive der im Ossarium aufbewahrten Gebeine aus aufgelassenen Gräbern haben hier seit Gründung bisher rund 5000 Menschen ihre letzte Ruhe gefunden. Zahlreiche berühmte Namen findet man beim Schlendern durch diese grüne Oase. So ist hier z. B. neben dem Sohn des großen Johann W. v. Goethe auch ein Sohn Alexander von Humboldts bestattet.

 

In seiner heutigen Gestalt wurde der Friedhof 1821 von Papst Pius VII 1821 eröffnet. Notwendig war dies geworden, weil es als Folge der romantischen Strömung zunehmend mehr (bildende) Künstle, Literaten und andere Ausländer in die ewige Stadt. Nicht wenige von ihnen blieben bis zu ihrem Tod in Rom und hatten bestimmt, auch in der Stadt beigesetzt werden zu wollen.

 

Noch heute ist der Cimitero Accatolico eine begehrte Begräbnisstätte, doch die Aufnahmekriterien sind hoch: um noch zu Lebzeiten einen Antrag auf eine Grabstelle stellen zu können, muss man älter als 75 Jahre sein oder aber eine schwere Krankheit nachweisen können. Eine Ausnahme stellt lediglich ein plötzlicher Todesfall dar, allerdings gibt es auch hier Kriterien zu erfüllen, bevor eine Bestattung hier möglich ist: Der Verstorbene muss ein Nichtkatholike und Ausländer sein sowie sein Wohnsitz in Italien gehabt haben. Trifft allerdings all dies zu, dann findet der Tote seine letzte Ruhe auf einem der schönsten nur denkbaren Friedhöfe! Damit nicht genug, wacht eine Schar einzigartiger Grabwächter über die ungestörte Totenruhe.

 

Grabwächter auf Samtpfoten

Nicht nur interessierte Besucher zieht der Cimitiero Accatolico an, auch eine der größten Katzenkolonien Roms hat hier ein Zuhause gefunden. So entdeckt der aufmerksame Gast beim Schlendern durch die Grabreihen immer wieder einen der samtpfötigen Grabwächter. Mit der nur Katzen eigenen Selbstverständlichkeit bewegen sie sich auf und zwischen den Gräbern. Genießen ein Sonnenbad auf den sonnenwarmen Steinen waechter-friedhof-rom-katzeoder halten Siesta im Schatten der Grabsteine und Skulpturen. Stumm, majestätisch und elegant streifen sie über das weitläufige Areal und mustern den neugieren Besuchern aus wissend scheinenden Augen.

 

Sie ist der Hausgeist hier; sie richtet, herrscht, begeistert alle Dinge in ihrem Reich; vielleicht ist sie eine Fee, ist sie ein Gott.
(
Charles Baudelaire  (1821 – 1867), französischer Dichter)

Baudelaire beschreibt mit seinen Worten die Katzen auf dem Cimitero Accatolico nahezu perfekt wie ich finde.  Sanfte Geister, die über einen magischen Ort wachen, Hüter der Ruhe und Wächter über die Toten. Der Faszination dieses speziellen Ortes kann ich mich auch nach dem x-ten Besuch auf dem Cimitero nicht entziehen.

Ganz im Gegenteil – bei jedem erneuten Besuch gibt es etwas neues zu entdecken. Eine andere Perspektive, andere Gerüche, neue Katzen und bisher noch nicht entdeckte Grabstätten. So erzählt der Friedhof seine eigene Geschichte immer wieder neu und zieht einen in seinen Bann. Ihr glaubt mir nicht? Dann bleibt mir nur zu sagen:

Entdeckt bei eurem nächsten Besuch in Rom den Cimitero Accatolico, lasst euch vollkommen auf diesen Ort ein und geht auf Entdeckungsreise. Zeit spielt hier keine Rolle mehr – und wer sie sich nimmt, kann sich der Faszination nicht mehr entziehen…

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Wie kommt man  zum Cimitero Accatolico?

 

Die Anfahrt ist einfach:

 

Mit der Metro:
Metrolinie B, Ausstieg an der Station „Piramide“. Die Piazza San Paolo überqueren, rechts an der Pyramide vorbei, an der Ecke links abbiegen – nach ca. 50 Metern kommt der Eingang des Cimitiero. Wer „nur“ zur Kolonie möchte, kann links von der Pyramide durch das zu den Besuchszeiten geöffnete Tor auf das Gelände.

 

Mit dem Bus:
Linien 23, 30, 75, 95, 118, 175, 715, 716,716

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