„Ciao Capri“ hieß es also jetzt, wir ließen die Insel Capri hinter uns waren auf dem Rückweg nach Neapel – immerhin mussten wir ja unseren Zug nach Rom pünktlich erwischen. Die Zugfahrt sollte uns ein wenig Ruhe und Erholung nach einem erlebnisreichen Tag bringen. Tja, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt… Capri oder Ischia

Ein Blick zurück, dann fliegen wir mit der Schnellfähre Neapel förmlich entgegen.

 

Neapel Italien Vesuv

 

Nach unserer Ankunft an der Molo Beverello in Neapel müssen wir uns etwas sputen – den Zug möchten wir auf gar keinen Fall verpassen. So machen wir uns relativ schnellen Schrittes auf den Weg Richtung „Napoli Centrale“ – dem Hauptbahnhof. Meine Güte, am Morgen war mir der Weg doch gar nicht so lang vorgekommen?

 

Ich bin müde, mir ist heiß ohne Ende – selbst gegen 18 Uhr sind es noch gut und gerne 35 Grad und ich will jetzt einfach nur noch eines: Ruhe und einfach mal zwei Stunden gar nichts machen. Die Aussicht auf eine ruhige Zugfahrt mobilisiert dann doch noch, die letzten Meter nicht zusammenzubrechen 🙂

Capri oder Ischia

Endlich – der Bahnhof ist erreicht. Und, wie für uns typisch, sprichwörtlich in der fast letzten Minute. Noch ein kurzer Sprint aufs richtige Gleis und ein schönes Plätzchen gesucht. In den Regionalzügen gibt es bei Trenitalia netterweise immer Viererplätze, also je zwei Sitze die sich gegenüberliegen. Am Anfang und Ende jedes Waggons steht dann auf der einen Seite eine Viererkombi und auf der gegenüberliegenden Seite des Gangs eine Zweierkombi. Perfekt.

 

Der Wagen ist leer und wir lassen uns erleichtert auf eine Viererkombi fallen. Endlich Abkühlung – der (Achtung Deutsche Bahn: funktionierenden!!!) Klimaanlage sei Dank. Dass ich genau diese Klimanlage noch übelst verfluchen würde, konnte ich da noch nicht ahnen.

 

Ein halber Waggon für uns allein – wir sind im Paradies!

Capri oder Ischia

Denke ich noch, bevor ich die Beine ausstrecke und langsam wegdämmere. So kanns die nächsten zwei Stunden bleiben – dann bin ich bis Rom wieder topfit! Ihr kennt das Gefühl in den letzten Sekunden, bevor man einschläft? Wunderbar!

 

Dann könnt ihr euch auch vorstellen, wie es sich anfühlte, als sich nur Sekunden später zwei Pärchen uns gegenüber und auf der anderen Seite des Gangs niederließen. Ich schreckte auf, beobachtete die Neuankömmlinge (die übrigens alles andere als müde und geschafft, sondern äußerst munter waren!) und meine Laune sank.

 

Na super! Das hat mir jetzt gefehlt. Wenns ganz dumm läuft, haben wir zwei Stunden lebhafteste italienische Unterhaltung vom Feinsten… DAS hatte ich mir anders erhofft. Schlimmer kanns gar nicht mehr kommen, denke ich noch so. Pah! Bei uns doch nicht, das wär zu einfach!

 

Gefangen im Eis

 

… so fühlte ich mich nur zehn Minuten später. Ich meine, es ist ja toll, dass die Klimaanlage funktioniert. Ich frage mich allerdings, ob bei dem, der sie einstellt, noch alles richtig funktioniert! Warum? Ganz einfach: schockgefrostet hält sich zwar länger und es soll Leute geben, die für derartige Behandlung um der Schönheit willen viel Geld hinlegen, ich gehöre aber definitiv nicht dazu.

 

Mir ist kalt. Nein, mir ist arschkalt. Mir ist dermaßen arschkalt, dass meine Reizschwelle überproportional zur Umgebungstemperatur sinkt. Gefährlich! Wie ein Zitteraal klemme ich auf meinem Sitz und versuche, leider erfolglos, das aufkommende Zähneklappern zu unterdrücken.

 

Unsere Mitreisenden sind ähnlich leicht bekleidet wie ich (Shorts & Spaghetti-Top), scheinen sich aber an den arktischen Temperaturen nicht zu stören. Im Gegensatz zu mir – ich bin kurz vorm Verzweifeln. Was dazu führt, dass die Hemmschwelle sinkt und ich nichtmal protestiere, als der beste aller Männer unseren Stadtplan von Neapel dazu nutzt, um mich halbwegs darin einzuwickeln.

 

Wer nimmt denn auch bei Temperaturen um 35 Grad eine Weste oder einen Pulli mit? Mitten im Hochsommer? In Süditalien? So improvisieren wir eben – und was die anderen vier denken, ist mir grad piepe. Meine Müdigkeit ist wie weggeblasen und ich bete, dass wir schnellstmöglich in Rom ankommen, sonst bin ich gefriergetrocknet!

 

Ich muss wirklich ein Bild des Jammers gewesen sein, es dauert nämlich nicht lange, und mir wird von einem der Pärchen ein großes Schultertuch übergeben. War ich gerade noch gefrustet, weil wir doch nicht allein waren? Ach was, das habt ihr falsch verstanden! Ich hätte sie küssen können!

 

Völkerverständigung leicht gemacht

 

So kommts, dass wir ins Gespräch kommen. Und nicht schlecht staunen, als wir erfahren, dass unsere Reisegefährten Araber aus Israel sind, die ebenfalls ihren Urlaub in Rom verbringen. Wie wir sind sie am Morgen mit dem Zug nach Neapel, dann weiter nach Sorrent gefahren und jetzt auf dem Rückweg nach Rom.

 

Ein nettes Gespräch entspinnt sich und es dauert nicht lange, da taucht aus einer Tüte unserer Mitfahrer eine Flasche Limoncello auf. Praktischerweise haben unsere neuen Freunde auch gleich noch Mini-Schnapsgläschen aus Plastik dabei. Wieso eigentlich ???

 

Egal – ich nehme gerne einen Likör – dann wird mir sicherlich vollends warm. Hau wech die Sch… OOOOHHHAAA… Holla die Waldfee, nach dem ersten Schluck glaube ich, ersticken zu  müssen. Nimm doch mal jemand den Elefanten von meiner Brust, ich krieg keine Luft mehr.. Schätze, meine Gesichtsfarbe war von null auf hundert sehr intensiv 🙂

 

Das gibts doch gar nicht – ich meine, wir reden von Limoncello, Zitronenlikör, und nicht von Tante Elsas selbstgebranntem Obstler? Die vier Mitfahrer grinsen sich einen – offensichtlich haben die keine Probleme damit.

 

Rauchen verboten – Back to the roots

Man unterhält sich und erfährt manches Interessante voneinander und trinkt noch ein Likörchen. Hey, der zweite schmeckt schon viel besser – und der Elefant lässt sich auch nicht mehr blicken. Langsam wirds richtig lustig! Nur dumm, dass auch in italienischen Zügen das Rauchen verboten ist.

 

Das denken sich auch unsere neuen Freunde aus Israel und verschwinden verdächtigerweise immer mal wieder in Richtung Toiletten. Zwei Limoncello später bin ich einer Zigarette auch nicht abgeneigt und schließe mich einfach mal an. Cool, wie früher – heimlich auf dem Schulklo rauchen. Moment mal – wie schräg ist das denn?

 

Ich stehe in Begleitung eines Arabers aus Israel, den wir vor zwei Stunden nichtmal kannten, in einem italienischen Zug auf dem Klo und rauche mir eine? Alter Schwede – das glaubt uns doch kein Mensch!

Der Inhalt der Limoncello-Flasche neigt sich zunehmen dem Ende entgegen – gleichzeitig scheinen die Englischfähigkeiten auf beiden Seiten immer besser zu werden 🙂 Hätte ich das nur zu Schulzeiten schon gewusst 😀

 

Einer der Herren aus der munteren israelischen Gruppe scheint zunehmend Schwierigkeiten zu haben, den Auswirkungen des Limoncello Herr zu werden. Das bemerkt auch seine Freundin und opfert sich, um Schlimmeres zu verhindern, und trinkt den letzten Rest kurzerhand ex aus der Flasche. Hach, was haben wir Spaß! So funktioniert interkulturelle Verständigung..

 

Bentornato a Roma – Willkommen zurück in Rom!

 

Die Zeit vergeht förmlich im Fluge und schon nähern wir uns wieder Rom. Rasch noch Kontaktdaten austauschen, man will sich ja nicht aus den Augen verlieren. Zumal wir alle noch nicht mal an das ein oder andere Foto gedacht hat. Sehr schade!

In Rom angekommen, spuckt uns der Eisschrank auf Schienen auf ein Gleis und in über 30 Grad Außentemperatur. Au weia – das knallt. Weniger bei uns, als bei einem unserer neuen israelischen Freunde: der hat seine liebe Not, unfallfrei den Zug zu verlassen.

 

Unter lautem Hallo und mit tatkräftiger Unterstützung des besten aller Männer landet er dann doch wohlbehalten auf dem Bahnsteig und in den Armen seiner Frau. Die fackelt nicht lange und führt den gut angeschickerten Gatten resulut Richtung Hotel.

Wir schauen uns nur kurz an und ich meine so „der dankt morgen früh Allah, dass Alkohol verboten ist“.  Fazit: Wir hatten eine absolut unvergessliche Zugfahrt von Neapel nach Rom, haben tolle Leute kennen und Limoncello lieben gelernt.

 

PS: Der Kontakt nach Israel besteht bis heute!

PPS: Da wir, wie erwähnt, nicht an Fotos im Zug gedacht haben, gibts hier leider auch keine zu sehen. Lediglich die Auswahl an Limoncello, die die Region herstellt, kann ich Euch zeigen:

Capri Limoncello Italien Zitronen

 

 

Capri oder Ischia

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